Geschichte der Gemeinde Bokel

Das vielleicht sprechendste Gemeindewappen des Amtes Nortorfer Land ist wohl das Bokeler. Es zeigt drei Gegenstände (Buchenblatt, Plaggenhaue und Mühlrad), die auf den Ursprung des Ortsnamens, auf landschaftliche Gegebenheiten sowie auf einen wichtigen Gewerbebetrieb hinweisen. Beginnen wir mit der Erklärung des Buchenblattes. Im Kieler Stadtbuch, das zwischen 1264 und 1289 angelegt wurde, taucht unser Ort als "Boclo" erstmals auf, was soviel wie "Buchenhain, Buchenwäldchen" bedeutet. Im Kreis Pinneberg gibt es übrigens ein zweites Dorf mit dem selben Namen. Die Plaggenhaue im Wappen deutet an, daß einst ein größerer Teil der Gemarkung mit Heide bewachsen war. Mit derartigen Geräten wurde eine dünne Humusschicht mit Heidekraut abgehoben, die - zu Kompost verarbeitet - den kargen Ackerboden verbessern sollte. Das Mühlrad im Wappen versinnbildlicht die alte, königliche Zwangswassermühle, wo - bis auf wenige Ausnahmen - die Untertanen des Kirchspiels Nortorf ihr Getreide mahlen lassen mußten. Der Mahlzwang wurde in Holstein erst 1854 abgeschafft.

 

Das Bokeler Mühlenmoor
Das Bokeler Mühlenmoor

Das Bokeler Mühlengewese hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich lag die Mühle am Oldmöhlenbach bei Thienbüttel (seit 1938 Teil der Stadt Nortorf). Aber Wassermangel machte ihre Verlegung nach Bokel notwendig. Dieser Schritt war schon 1598 vollzogen. Gut hundert Jahre später, und zwar im Jahre 1700, wurde sie dem Nortorfer Kirchspielvogt Christian von Würtzen verpfändet, der seinem Landesherrn 1.200 Reichstaler geliehen hatte. In dieser Zeit baute der Müller eine kleine Grützmühle hinzu.

Weil die Bokeler Au, also der Bach, der die Mühle trieb, immer wieder unter Wassermangel litt, erhielt der Müller 1760 die Konzession zum Bau einer Windmühle. Sie entstand etwa auf halbem Wege zwischen Nortorf und Thienbüttel, sollte aber stets Zubehör der Bokeler Mühle sein. Einige Jahrzehnte später, 1832, bekam der Müller schließlich die Erlaubnis, eine Windmühle neben seiner Wassermühle bauen zu dürfen. Das war natürlich weitaus praktischer, als die weit von Bokel gelegene Windmühle bei Thienbüttel zu betreiben. Doch nichts währet ewiglich: Schon 1869 wurde die Bokeler Windmühle abgebrochen und im nahen Gnutz wieder aufgebaut. Allein das langsam verfallende Mühlengebäude an der Bokeler Au zeugt noch von der einstigen landesherrlichen Zwangsmühle für das Kirchspiel Nortorf.

Auch wenn sich heute in Bokel weder Wassermühlenräder noch Windmühlenflügel drehen: Auf dem Gemeindegebiet wird seit Herbst 2000 die unerschöpfliche und kostenlose Windenergie genutzt. Zwischen Bokel und Ellerdorf erzeugen nämlich - weithin sichtbar - zehn knapp hundert Meter hohe Windkraftanlagen "sauberen" Strom, eine fruchtbare Symbiose zwischen altem Energiegewinnungsverfahren und moderner Technik.