Geschichte der Gemeinde Borgdorf-Seedorf

Borgdorf und Seedorf, beide am fischreichen Borgdorfer See gelegen und nur durch den Bellerbek und seine Niederung getrennt, bilden seit 1867 die Gemeinde Borgdorf-Seedorf. Erstmals genannt wurden beide Orte jedoch schon im 14. Jahrhundert, Borgdorf 1320 als "Borctorpe" und Seedorf 1361 als "Sedorp". Die Namensgebung ist so einfach wie einleuchtend: Dorf am See und Dorf mit - oder bei - einer Burg. Aber um welche Burg könnte es sich gehandelt haben?

Im Gegensatz zu hochmittelalterlichen Befestigungsanlagen, von denen es einige hundert im Lande gibt, entstammt die Borgdorfer Burg einer früheren Zeit. Ihre Gründung wird in das 9. oder 10. Jahrhundert datiert, Zeiten, in denen es in Nordelbien immer wieder zu heftigen Kämpfen zwischen den einheimischen Sachsen und den aus dem Osten zugewanderten Slawen kam. Der Archäologe und Burgenspezialist Struve bemerkte zu Borgdorf: "Die Burg bildete offenbar, zusammen mit den Ringwallanlagen Kaaksburg, von Hitzhusen, Willenscharen, Wittorf und Einfeld ein Befestigungssystem in der äußeren Zone des sächsischen Holstengaues, das gegen die Einfälle der Slawen gerichtet war." Zu sehen ist in Borgdorf - und Hitzhusen - allerdings kaum noch etwas, denn beide Verteidigungsanlagen sind im Laufe der Jahrhunderte weitgehend abgegraben und eingeebnet worden. Wer sich ein ungefähres Bild von der Borgdorfer Burg machen will, muß sich schon ins nicht weit entfernte Einfeld begeben. Das dortige Wehrwerk, die sog. Schanze, ist noch sehr gut erhalten und besitzt eine ähnliche, von See und Niederungsgebieten eingefaßte Lage.

Der Bereich um den Borgdorfer See war schon in vor- und frühgeschichtlichen Zeiten ein begehrtes Siedlungsgebiet. Zahlreiche Hügelgräber der Bronze- und ein ca. 200 x 600 Meter großes Urnengräberfeld der Eisenzeit legen davon Zeugnis ab. Und Geräte der Steinzeit, die auf der Feldmark gefunden wurden, weisen auf die "Berufe" noch früherer Bewohner hin: Es handelte sich um Fischer und Jäger.

Verlassen wir den Boden historischer Tatsachen und wenden uns abschließend dem Reich der Sage zu: Auf einer Insel im Borgdorfer See soll einst ein heidnischer Graf auf einer Burg gesessen haben, der einen missionierenden Priester aus Neumünster aufspießen und verbrennen ließ. Doch das Feuer zündete auch das Gelände, Heide und Torf, an, so daß die Burg im See versank. Darin sah man ein göttliches Zeichen, und der bekehrte Graf wollte an der Hinrichtungsstätte eine Kirche bauen lassen. Ein Kreuz wies den künftigen Bauplatz an. Doch am Morgen stand es immer wieder dort, wo jetzt die Nortorfer Kirche steht. Das war für den Graf ein Beweis, daß der liebe Gott sein Haus dort errichtet sehen wollte. Deshalb ist Nortorf heute Kirchort und nicht Borgdorf!

Weiterführende Literatur

  • Carsten Obst. Chronik der Gemeinde Borgdorf-Seedorf. Borgdorf-Seedorf 2001