Geschichte der Gemeinde Groß Vollstedt

Schon das Wappen der Gemeinde Groß Vollstedt weist mit einem Megalithgrab darauf hin, dass die ältesten Siedlungsspuren bis in die Steinzeit zurückreichen. Und etliche bronzezeitliche Grabhügel auf der Feldmark beweisen die Anwesenheit von Menschen auch in der folgenden vorgeschichtlichen Periode. Das heutige Dorf Groß Vollstedt wird jedoch wohl erst in der nachchristlichen Eisenzeit entstanden sein. So jedenfalls vermuten es viele Ortsnamenforscher für Dörfer, die auf "stedt" enden. Groß Vollstedt dürfte mit Bargstedt die wahrscheinlich älteste noch bestehende Siedlung des Amtes Nortorfer Land darstellen.

Der Groß Vollstedter Wasserturm
Der Groß Vollstedter Wasserturm

Auch bei der Ersterwähnung des Ortsnamens gehört Groß Vollstedt mit zu den am frühesten genannten Dörfern des Amtes. In einem Güterverzeichnis des Augustiner-Chorherrenstiftes in Neumünster aus der Zeit kurz vor 1200 wird ein "Volcstide" aufgeführt. Da es offensichtlich noch keine Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinvollstedt gab, muss man davon ausgehen, dass letzteres um 1200 noch nicht existierte. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei Kleinvollstedt um eine im Laufe des 13. Jahrhunderts entstandene Tochtersiedlung Vollstedts bzw. Groß Vollstedts. Zu diesem Ergebnis kommt man bei einer vergleichenden Sicht mit der Siedlungsgeschichte ähnlich gelagerter Fälle, z.B. bei Klein- und Großflintbek (1223: Vlintbeke) sowie Klein- und Groß Buchwald (1230: Bocwolde). In beiden Fällen sind die "kleinen" Dörfer jünger, besitzen eine kleinere Gemarkung und weisen auch weniger Hofstellen auf. Zwei dieser drei Punkte treffen auch bei Groß- und Kleinvollstedt zu, nur bei der Gemarkungsgröße ist das Verhältnis umgekehrt.

Wagen wir einen zeitlichen Sprung vom hohen Mittelalter zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Um den Ersten Weltkrieg herum entstand am Nordende Groß Vollstedts ein Bauwerk, das man getrost als Wahrzeichen des Dorfes bezeichnen kann: der Wasserturm. Über ihn urteilte 1988 die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises Rendsburg-Eckernförde in einem Schreiben an den damaligen Bürgermeister:

"Der Groß Vollstedter Wasserturm gehört zu einem um die Jahrhundertwende in der Region mehrfach errichteten Bautyp des Wasserreservoirs. [Er] ... gehört zu den wenigen erhaltenen Beispielen einer gerade für ländlichen Regionen bedeutenden sozial-, hygiene- und technikgeschichtlichen Entwicklung."
Wasser spendet der Turm heute allerdings nicht mehr, denn nach dem Bau eines modernen Wasserwerks wurde der Betrieb am Ende der 1950er Jahre eingestellt. Heute beherbergt das alte Gemäuer "Sozialwohnungen für Fledermäuse" - so die Überschrift eines Zeitungsartikels vom 25. Mai 1998. Weiter heisst es dort: "Eine Arbeitsgemeinschaft Groß Vollstedter Bürger hat gemeinsam mit der Arbeitsgruppe ‚Fledermausschutz' und dem Landesverband ‚Eulenschutz' den alten Wasserturm saniert und ein neues Dach mit Einflugschneisen für die Nachttiere aufgesetzt." Somit bleibt das Groß Vollstedter Wahrzeichen vorerst erhalten.

Weiterführende Literatur 

  • Friedrich Wilhelm Haan. Heimatgeschichte Groß Vollstedt. Groß Vollstedt o. J. [1979, als Manuskript abgeschlossen 1929]
  • Gemeinde Groß Vollstedt [Hrsg.]. Heimatgeschichte Groß Vollstedt, Teil II (Bildchronik). Groß Vollstedt 1985.